Laut Psychologen: So ist es, wenn man verliebt ist und unter Depressionen leidet

Laut Psychologen: So ist es, wenn man verliebt ist und unter Depressionen leidet

Wenn du dich nicht selbst lieben kannst, dann wird es auch kein anderer tun. Diese Aussage hast du sicher schon einmal gehört. Es ist leicht, so etwas zu sagen und daran zu glauben, vor allem, wenn man keine Depressionen hat. Für depressive Menschen kann diese Aussage aber sehr beängstigend sein. 

Denn wie wird die Geschichte ausgehen, wenn ich es niemals schaffen werde, mich selbst zu lieben? Werde ich für immer allein bleiben und niemals die wahre Liebe spüren?

Ich dachte in meiner Jugend viel über mein Leben als Erwachsener nach. Wie würde ich wohl aussehen? Wie wird mein Partner aussehen? Und werde ich glücklich sein? 

Ich war mir nicht sicher, ob ich irgendwann eine richtige Beziehung führen würde. Vielleicht würde ich nie dazu in der Lage sein, dachte ich. Ich lag allerdings komplett falsch damit! Ich konnte mich selbst nie ausstehen. Ich konnte mich einfach nicht selbst mögen. Aber irgendwann änderte sich alles. Denn damals verliebte sich ein Junge in mich.

Mein ganzes Leben lang litt ich unter Depressionen. Ich musste sogar eine Zeit lang Medikamente nehmen, habe sie dann wieder abgesetzt. Ich ging zu einem Therapeuten und dann zu dem nächsten. Aber die Depressionen blieben. Sie waren immer ein Teil von mir – mein ganzes Leben lang. Jeden Tag kann ich spüren, wie emotional schmerzhaft sie sind. 

Und meinen Depressionen ist es auch egal, ob ich nun in einer Partnerschaft bin oder nicht. Auch wenn mich mein Partner jeden Tag zum Lachen bringt und mir ständig sagt, wie toll ich heute aussehe oder wie großartig er meine Persönlichkeit findet, scheinen meine Depressionen dies zu ignorieren. Ich bin unheimlich dankbar für die Unterstützung meines Mannes. Es gab unzählige Nächte, in denen ich nicht wusste, warum ich weinte. Aber er war da und hat mich in seinen Armen gehalten. Ich bin unheimlich dankbar für seine Geduld, wenn ich spontane Ausraster hatte oder grundlos gereizt war. Ich weiß, dass dies absolut nicht leicht ist.

Er weiß, wenn ich mich in der Öffentlichkeit nicht wohl fühle und versucht mich zu beruhigen. Er gibt mir immer wieder Hoffnung und gibt mir eine Perspektive für die Zukunft, selbst dann, wenn ich keinen Ausweg mehr weiß. Er hilft mir, mich für den Tag zu motivieren und zu essen, obwohl ich absolut keinen Appetit habe. 

Er ist einfach da und kümmert sich um mich. Ich musste mich nie wirklich erklären und hatte nie das Gefühl, dass ich ihm etwas schuldig war. Und ich denke heute immer noch, dass ich großes Glück mit diesem Mann hatte. Denn er liebt mich so wie ich bin. Er kennt meine Schwächen und liebt mich trotzdem. Das macht mich unglaublich glücklich.

Aber es ist auch gleichzeitig etwas beängstigend für mich. Denn die Liebe ist sehr intensiv. Ich habe Angst, dass er irgendwann genug von mir hat. Ich fürchte mich vor den Tag, an dem vielleicht eine Kleinigkeit zu viel für ihn sein könnte und er alles hinwirft. Ich habe Angst, dass ich vielleicht in einer Nacht mal wieder einen dieser Anfälle bekomme und grundlos weine und er sich denkt, dass dies das Fass zum überlaufen gebracht hat. Ich fürchte mich davor, dass er dann für immer gehen könnte. 

Mir ist bewusst, dass mein Verhalten ihn für immer vertreiben könnte und dass ich damit einiges durcheinanderbringe, auch wenn ich ihm immer wieder versichere, dass es nichts mit ihm zutun hat. Ich habe oft Schuldgefühle und hasse mich dafür, dass ich ihm Sorgen bereite. Ich will ihm immer wieder beweisen, dass alles in Ordnung ist, aber manchmal gibt es einfach keine Möglichkeiten, um dies zu tun. Es ist manchmal sehr schwer ihn davon zu überzeugen. 

Oft liegen wir nachts im Bett und umarmen uns und ich sage ihm, dass es mir leidtut. In dem Moment bin ich einfach nur dankbar, dass er immer noch bei mir ist. Er freut sich morgens mit mir aufzuwachen und ich kann es kaum glauben, dass er immer noch da ist. 

Für mich ist jeder Tag ein Kampf, den ich immer wieder aufs Neue antreten muss. Es kommen Emotionsschübe und Situationen, in denen mir alles plötzlich egal wird und dann bekomme ich plötzlich das Gefühl, dass ich alles zu wichtig nehme. Wann wird er wohl genug von diesen Schwankungen haben?

Er sagt mir ständig, dass er mich liebt und es beruhigt mich für einen Moment. Aber dann überkommen mich wieder die Zweifel. Wir wissen beide, dass dieser Zustand höchstwahrscheinlich ein Leben lang anhalten wird. Und manchmal denke ich daran, dass er nie aufgeben wird, weil er es schon bis hierin geschafft hat. 

Wenn du dich in einer ähnlichen Situation befindest oder unter Depressionen leidest, möchte ich eines sagen:

Du bist wertvoll und du solltest dir von niemandem einreden lassen, dass du es nicht wert bist, geliebt zu werden, wenn du keine Liebe für dich selbst aufbringen kannst. Du solltest niemandem glauben, der sagt, dass deine Krankheit dich davon abhält mit jemandem zusammen zu sein oder jemanden zu finden, der dich liebt. 

Niemand kann dir sagen, was du zutun hast, dass du mehr lächeln musst oder mehr für dich selbst tun musst. Glaub mir, auch wenn du dich schlecht fühlst, kannst du immer noch geliebt werden. Denn auch, wenn du dich schlecht fühlst, bist du immer noch liebenswert. Das bedeutet, dass du geliebt werden kannst, auch wenn du dich selbst nicht liebst. 

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