Wie ich mich selbst in der Hölle mit einem Narzissten verlor.

Written by: Gast

Published on: Dezember 29, 2018

Hast du schon einmal pures Glück empfunden? Hast du dich so sehr gefreut, dass du das Gefühl hattest, die ganze Welt umarmen zu wollen? Dass du gar nicht anders konntest, als die ganze Zeit mit einem Dauerlächeln durch die Gegend zu laufen? Warst du so unglaublich glücklich, dass alle deine Freunde dich gefragt haben, was denn mit dir los sei und warum du so zufrieden wirkst?

Ich habe das erlebt. Mir erging es genauso. Aber das alles hat sich ereignet, kurz bevor ich die größte Niederlage meines Lebens erfuhr. Ich war an einen Narzissten geraten und er hat mich unglaublich glücklich gemacht – zuerst. Denn das haben Narzissten so an sich. Mit ihnen ist das Leben und die Liebe wie eine Achterbahnfahrt. Es ist das Schönste, was du je erlebt hast und es ist das Schlimmste, was du je durchstehen musst.

Mein Freund hat meine Gefühle hin und her geschmissen und mich vollkommen durcheinandergebracht. Nach diesem emotionalen Chaos wusste ich nicht mehr wo oben und unten ist. Ich hatte den Glauben an meine Überzeugungen komplett verloren und wusste nicht mehr wem oder was ich noch trauen konnte. Und das Schlimmste war: Ich hatte mich verloren.

Nachdem er mich immer wieder aufgebaut und danach wieder zerstört hatte, war ich ein seelisches Wrack geworden. Narzissten sind echte Meister darin, andere zu kontrollieren und für ihre Zwecke zu benutzen. Das wusste ich damals noch nicht. Auch nicht, dass ich es mit einem Narzissten zu tun hatte und was das überhaupt war. Er hatte ein leichtes Spiel mit mir.

Er hatte es wirklich drauf mich zur glücklichsten Frau der Welt zu machen: Er überschüttete mich mit Komplimenten und Aufmerksamkeiten, er war ein altmodischer Gentleman, der mir in die Jacke half und mir die Tür aufhielt und er lud mich gerne zum Essen oder einer Massage ein. Er war ein großartiger Freund. Der Beste, den ich mir vorstellen konnte. Ich war mir sicher: Endlich wurde all das war, von dem ich schon immer geträumt hatte. Möchte sich nicht jedes Mädchen von Zeit zu Zeit wie eine Prinzessin fühlen?!

Aber die ganzen Zuwendungen und Zärtlichkeiten hatten seinen Preis, von dem ich bis dato nichts ahnte. Nach einer Weile ließen seine Aufmerksamkeiten nach und irgendwann, als ich etwas tat, was er nicht mochte, stellte er sie komplett ein. Seine neue Strategie lautete Schweigen und Verachtung. Ich fühlte mich wahnsinnig ungeliebt und abgelehnt. Aus dem zuvorkommenden Gentleman wurde ein eiskalter Mann, den ich nicht kannte.

Ich wusste, wie lieb er sein konnte und gab mir die Schuld für sein verändertes Verhalten. Immerhin hatte er es nur gewandelt, weil ich etwas falsch gemacht hatte. So sagte er es mir auch. Er tat alles, um mir ein schlechtes Gewissen einzureden und mir klar zu machen, dass ich an der ganzen Sache die Schuld trug.

Und ich glaubte ihm. Er war doch der Gute. Der liebe Kerl, der mir jeden Wunsch von den Augen ablas. Der Mann, der mir soviel Gutes getan hatte, dass ich das Gefühl hatte, ihn gar nicht zu verdienen. Ich glaubte ihm also und fühlte mich unglaublich schuldig. Ich kam zu ihm angekrochen und bat reumütig um Vergebung. Ich war bereit alles zu tun, damit er mir verzieh.

Das tat er dann auch, aber erst nach einer schier endlosen Qual an Betteleien und Schuldeingeständnissen meinerseits. Danach war ich heilfroh ihn zurückerobert und meine Schuld wieder gut gemacht zu haben.

Diese Situation blieb keine Ausnahme. In regelmäßigen Abständen versaute ich, seiner Meinung nach, etwas vollkommen und musste dafür büßen. Ich fühlte mich abwechselnd wie der schuldigste und fehlerhafteste Mensch auf Erden und wie die perfekte von ihrem Freund angebetete Prinzessin. Denn sobald alles wieder gut war, „belohnte“ er mich, indem er sich wieder in den tollen Prinzen vom Anfang unserer Beziehung verwandelte.

Dieses Schema wiederholte sich immer und immer wieder und wurde irgendwann zur Gewohnheit. Ich war es gewohnt, Dinge falsch zu machen, ohne es zu wollen. Ständig um Verzeihung bitten zu müssen, ohne richtig zu verstehen. Und mich schrecklich zu fühlen, ohne den Eindruck zu haben, irgendetwas daran ändern zu können. Ich kam mir unendlich hilflos vor.

Verzweiflung machte sich in mir breit und ich weinte nachts, wenn er nicht da war, in meine Kissen. Ich fühlte mich unglaublich schlecht und hatte den Überblick über meine Lage verloren. Ich konnte mich nun nur noch darauf verlassen, was er mir sagte.

Das Schlimmste war, dass immer, wenn ich das Gefühl hatte übergangen oder einmal von ihm nicht fair behandelt worden zu sein, er mir weiß machte, dass ich falsch empfand. Auf Kritik von mir reagierte er abweisend und schob mir die Schuld zu. Ließ ich nicht locker wurde er extrem lieb zu mir und machte mir so wiederrum ein schlechtes Gewissen. Mittlerweile war ich so durcheinander, dass ich es nicht mehr wagte meinen eigenen Gefühlen zu trauen.

Irgendwann merkte ich, wie sehr alles aus dem Ruder gelaufen war. Ich hatte mein Leben, mein Herz und meine Seele komplett von ihm gegen die Wand fahren lassen. Mein größter Fehler war, ihm blind zu vertrauen. Natürlich hatte er es geschickt angestellt und mich, ohne dass ich es merkte, in eine große Abhängigkeit von ihm gebracht. Aber dennoch war ich diejenige, die zuließ, dass ich ihm mein Innerstes ohne Schutz öffnete. Ich war die, die ihm voll und ganz vertraut hatte und nun mit den Konsequenzen leben musste.

Noch lange nachdem er aus meinem Leben verschwunden war, kämpfte ich gegen die bösen Geister, die er in mein Herz gepflanzt hatte. Es dauerte eine Ewigkeit bis ich mich wieder zu mir selbst vorgekämpft hatte und meinen eigenen Empfindungen vertraute. Mir selbst glauben zu schenken, war eine der härtesten Lektionen, die ich wieder erlernen musste. Aber ich habe es geschafft.

Noch heute spüre ich, wie verletzlich ich innerlich bin. Wie sehr ich in der Hab-Acht-Stellung durch mein Leben gehe und jeden, dem ich begegne zweimal prüfe. Ich leide unter dem Misstrauen, dass sich nun in mir befindet, weil ich ihm zu leicht vertraut habe. Ich werde noch eine ganze Menge lernen müssen, aber eins weiß ich mit Sicherheit: Auf so jemanden, wie ihn, falle ich nicht nochmal herein. Hier findest Du alle meine Bücher (Hier klicken)

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