5 Mythen und die ganze Wahrheit über Narzissten.

Written by: Gast

Published on: August 7, 2018

Es gibt Menschen, die sich nicht leiden können. Die nicht mögen, wer sie sind und was sie ausmacht. Die es kaum ertragen, in den Spiegel zu sehen.

Dann gibt es Menschen, denen geht es gut mit sich selbst. Sie sind mit sich im Reinen und strahlen eine angenehme Ruhe und Gelassenheit aus.

Und es gibt Narzissten. Sie gelten als komplett ichbezogen und selbstverliebt. Alles muss sich um sie drehen und sie sind der Mittelpunkt ihres Universums.

Versteht mich nicht falsch, Selbstliebe ist eine sehr wichtige Sache. Es ist sogar äußerst gesund und für ein glückliches Leben unabdingbar, sich zu akzeptieren und anzunehmen, so wie man ist. Sich zu mögen ist quasi der „Schlüssel“.

Bei Narzissten läuft das aber aus dem Ruder. Sie verehren sich regelrecht und erwarten das auch von allen anderen. Damit kommen wir zum weitverbreiteten Mythos Nummer eins.

Mythos Nr. 1: Narzissten sind total selbstverliebt.

Narzissten sind sehr wohl auf sich selbst fixiert und dauerhaft damit beschäftigt, dass sie ihren Wünschen nachkommen. Allerdings sind sie gar nicht gut darin, ihre wahren Bedürfnisse zu erfüllen, was man aber tut, wenn man sich liebt und sich um sich kümmert.

Sie sind viel eher damit beschäftigt, ständig positive Rückmeldung und Anerkennung anderer zu bekommen.

Jemand, der sich selbst liebt, braucht dafür keinen „Spiegel“ von außen, der ihm ständig Komplimente zuspricht. Er würde viel eher die Bestätigung in sich selbst finden.

Ein Narzisst ist aber dauerhaft auf der Suche nach Anerkennung von außen. Ihm ist extrem wichtig, was die anderen vom ihm denken und wie ihr Bild von ihm ist. Er möchte sehr gut dastehen, als der Beste in allem wahrgenommen und verherrlicht werden. Dafür ignoriert er sogar seine eigenen Bedürfnisse und ist ständig in Anspannung ein perfektes Bild abzuliefern.

Mythos Nr. 2: Narzissten interessieren sich nur für sich selbst.

Okay, zugegeben, dieser Mythos ist nur ein halber. Denn, Narzissten interessieren sich zwar für andere, allerdings auch nur, wenn es dabei um sie geht. Sie interessieren sich nämlich

ausschließlich dafür, was andere von ihnen denken. Dieser Punkt macht sie abhängig von anderen, sodass sie nicht vollkommen auf alle „pfeifen“ können. Sie strengen sich sogar sehr an, um anderen zu gefallen.

Aber: Sie interessieren sich, darüber hinaus, nicht für ihr Umfeld. Die Menschen, die sie brauchen, um ihr Ego aufrecht zu erhalten, die ihnen Komplimente machen und ihnen regelmäßig viel Zuspruch geben, versuchen sie bei Laune zu halten und sich sogar hin und wieder Mühe zu geben, um weiter in den Genuss ihrer Avancen zu kommen. Sollten sie aber nicht mehr nützlich für den Narzissten ein, entledigt er sich ihrer ziemlich schnell wieder.

Er interessiert sich nur so lange für andere, wie er sie ausnutzen kann.

Mythos Nr. 3: Narzissten sind stark.

Wer ist süchtig nach Anerkennung und ständigem Zugejubel von außen? Jemand, der innerlich gefestigt ist? Jemand, der stabil ist und sich selbst annimmt? Nein, ganz sicher nicht.

Der Narzisst dürstet nach Bestätigung, weil sein inneres Ego winzig klein ist und gefüttert werden will. Er braucht diese Stärkung von außen, weil er sie sich selbst nicht gibt und auch gar nicht geben kann. Der Narzisst trägt viele Wunden in sich, die er nicht kitten kann. Deswegen sucht er sich Abhilfe bei anderen, die ihn mit ihren positiven und aufbauenden Worten trösten und ihm kurzzeitig helfen, seinen inneren Schmerz zu lindern.

Narzissten sind viel schwächer, als die Menschen, die sie ausnutzen und zu ihren Opfern machen.

Mythos Nr. 4: Ein Narzisst ist nicht liebesfähig.

Auch dieser Mythos stimmt zum Teil, ist aber keinesfalls die ganze Wahrheit. Ein Narzisst braucht es, geliebt zu werden. Er ist süchtig danach. Er kann ohne die Liebe einer andern Person nicht leben.

Er ist sogar in einem gewissen Grad beziehungsfähig, und zwar insoweit er bekommt, was er möchte. Er kann sich sehr wohl anstrengen, um zu erreichen, dass die andere Person ihm zugewandt ist und ihn „belohnt“.

Aber zu lieben bedeutet, zu geben ohne eine Gegenleistung zu erwarten und das hat der Narzisst nicht verstanden.

Er verwechselt Anerkennung mit Liebe, doch das ist nicht dasselbe. Bekommt er keine Bestätigung mehr von seinem Gegenüber, räumt er das Feld und geht. Wahre Liebe ist aber nicht vom Nehmen abhängig.

Mythos Nr. 5: Narzissten sehen andere als ihr Opfer an.

Der Narzisst wird nicht mit dem Gedanken in seine nächste Beziehung gehen, dass er seinen Gegenüber die nächsten Monate oder Jahre ausnutzt und danach ausgelaugt zurücklässt. Wir haben gerne das Bild dieses kaltblütigen Monsters in unserer Vorstellung – aber so ist es nicht.

Er setzt sich nicht in den Kopf seine Freundin leiden zu lassen, damit er bekommt, was er will. Er nimmt sich nicht vor, sie zu ignorieren, weil er gerne böse und herzlos ist. Er wird sie nicht schlecht behandeln, weil er es genießt, sie klein zu sehen.

Er ist vielmehr davon überzeugt, dass er es verdient, wie ein Gott auf Erden behandelt zu werden und zwar von jedem und jederzeit.

Widersetzt sich jemand dieser Grundsätzlichkeit in der Welt des Narzissten, kommt ein Zorn in ihm hoch. Er fühlt sich ungerecht behandelt, immerhin ist er überzeugt davon, man müsse ihn verehren. Mit Zurückweisung oder auch nur damit, nicht immer völlig im Mittelpunkt zu stehen, kann er nicht umgehen. Dann wird er zu einem wahren Unterdrücker und trumpft mit allem auf, was die unfaire Streitführung zu bieten hat: Ignoranz, Demütigung, emotionale Folter und was ihm sonst noch einfällt. Er leidet unter dem Entzug von Aufmerksamkeit und möchte, dass sein Gegenüber das nachempfindet.

Narzissten leben in ihrer eigenen Welt, mit Gedankenkonstrukten und Überzeugungen, die wir, als empathische Menschen nicht nachvollziehen können. Wir können sie nicht aus eigener Kraft ändern und ihnen unsere Denkweise aufzwingen, sie werden sie nicht verstehen. Ein Narzisst ist, was er ist: Ein schwacher Mensch, mit vielen innerlichen Wunden, deren Schmerz er versucht damit zu kompensieren, andere dazu zu bringen ihm möglichst viel zu geben und dabei möglichst wenig selbst zu tun.

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